Gilgamesch

Gilgamesch erwürgt den LöwenSehr lange vor meiner Zeit beschloss ein Gott-König im Zweistromland Mesopotamien sein Königreich zu verlassen, um die Wahrheit und das Ewige Leben zu suchen! Gilgamesch ist sein Name. Seine Geschichte ist auf Steintafeln erhalten - leider nicht ganz vollständig. Es handelt sich um den ältesten, erhaltenen Roman der Menschheitsgeschichte. Der Assyriologe George Smith wurde im Jahr 1872 durch die Übersetzung einer Keilschrifttafel berühmt. Der Text beschrieb die Große Flut (Sintflut). Heute gibt es den Text – soweit er erhalten ist – als Fragment im Buchhandel zu kaufen. Ich las ihn. Mehrmals! Ohne wirklich etwas zu verstehen. Erst als ich einen Roman über das Leben des Königs Gilgamesch in die Finger bekam, erschloss sich in Verbindung mit meiner Vorbildung, das Geheimnis des rätselhaften, uralten Textes.

Thumbnail imageGilgamesch ist ein guter König und Herrscher. Er lässt seine Stadt Uruk befestigen. Er macht sie vor Feinden und anderen Unbilden sicher. Auch vor der großen Flut! Seine Anordnungen sind durchdacht, sinnvoll und erfolgreich. Er wird aber auch gefürchtet, als grausam gegen seine Feinde und Widersacher beschrieben. Gilgamesch besitzt übermenschliche Kräfte und soll etwa drei Meter groß gewesen sein. In der Durchsetzung seiner Vorhaben ist er durch nichts und niemanden aufzuhalten, doch auch er hat eine Achillesferse: Als er seinen besten Freund, Enkidu, beim Kampf mit dem Himmelsstier verliert, verfällt er in eine tiefe Depression.Thumbnail image

Enkidu ist halb Tier, halb Mensch, geschaffen von der Göttin Aruru. Gilgamesch selbst ist zu zwei Dritteln Gott und zu einem Drittel Mensch. Diese ungleichen Freunde halten in ungezählten Abenteuern wie Pech und Schwefel zusammen. Nach dem Tode von  Enkidu hält es Gilgamesch nicht länger in seinem Reich. Er verlässt sein gut organisiertes und verwaltetes Königreich, um sich auf die Suche nach der Unsterblichkeit zu machen. Utnapischtim (Noah), den er aufsucht, zeigt ihm den Weg zu einer geheimnisvollen Pflanze, die Unsterblichkeit verleiht. Er findet die Pflanze, sie wird ihm jedoch während einer Rast von einer Schlange wieder geraubt. Untröstlich kehrt er nach Uruk zurück.

Ich habe mein kleines Königreich verlassen, wie auch Gilgamesch es vor etwa 6.000 Jahren getan  hat. Königreiche heißen in unserer Zeit „Firma". Ich war natürlich kein König und auch kein Herrscher - nur ein Firmenchef. Eines Tages verlor ich meine beste Freundin, die Motivation. Im Kampf mit den Mächten des modernen Wirtschaftslebens war sie nach unzähligen, erfolgreich geführten Schlachten und Gefechten doch einmal unterlegen und fiel. Sie starb einen langsamen und schmerzhaften Tod. Rechtzeitig erkannte ich, dass ich mein Kommando zu übergeben hatte. Ich tat es ohne Wehmut und machte mich, wie auch schon vor mir Gilgamesch, auf, die Unsterblichkeit zu suchen und zu  finden. 

Ich verfüge nicht über so mächtige Freunde wie König Gilgamesch! Meine Eltern sind auch keine Götter! Zusätzlich habe ich nicht die Möglichkeit in mein ehemaliges Reich zurückkehren zu können. So bleibt mir nichts anderes übrig, als Schriftsteller erfolgreich zu sein und darauf Acht zu geben, dass mir keine Schlange die Pflanze des Utnapischtim wieder raubt!